Nobelpreisträger beim Führer

Oktober 24, 2012
  • Ingar Sletten Kolloen : Knut Hamsun

Nun mal wieder eine Rezension, über ein Buch, das mir vor kurzem in die Hände fiel. Ich mus zugeben, daß skandinavische Literatur mal von Gaarder und Kierkegaard wohl mehr Neuland für mich ist. Aber Hamsuns Biographie war echt ein Überraschungsgriff.

Ein guter Literat ist kein guter Literat, wenn er nicht zu Lebzeiten beschimpft, bestraft und beleidigt wird. Heute kriegen Literaten wie  Christian Kracht oder Günther Grass von den modernen Intellektuellen ihr Fett weg. Im letzten Jahrhundert ging es  Knut Hamsun nicht anders.Der norwegische Journalist Kolloen hat in den Jahren 2003 und 2004 Hamsuns Biographie in zwei Bänden veröffentlicht. Im Jahre 2011 erschien die deutsche Übersetzung von der Autorin Gabriele Haefs, die unter anderem den Bestseller „Sophies Welt“ übersetzte und dadurch einem breiten Publikum bekannt wurde. Es ist die Geschichte eines Schriftstellers, der nur 252 Tage die Schule besuchte und im Jahre 1920 den Literaturnobelpreis für sein Werk „Segen der Erde „ erhielt.

Verführer und Verräter…

Die Geschichte von Hamsun, der am 4 August im norwegischen Dorf Vågå geboren wurde schreibt Kolloen in 470 Seiten sehr detailgetreu. Von der schweren Jugend im damals feudalistischen Norwegen und seiner ersten literarischen Arbeit im Jahre 1877 und seinen vielen Reisen durch Europa und seinen reisenden Lebensstile und vielen Frauengeschichten. Jeder einzelne Lebensabschnitt wird nahezu bildhaft beschrieben und somit auch nach über 50 Jahre nach Hamsuns Tod neue Fakten über Hamsuns Leben zum Vorschein. Ihm stand auch ein Forscherteam aus verschieden wissenschaftlichen Bereichen zur Seite, die ihm bei der Verwertung von alten Aufzeichnung und Gedächtnisprotokollen zum Vorschein. Auch sein Verhältnis zu Adolf Hitler dem Dritten Reich wird detailgetreu und differenziert beurteilt, so dass wiederum eine neue Debatte um den freilich umstrittenen Autor in Skandinavien entfacht wurde. Zweifelsohne war Hamsun ein Bewunderer Deutschlands und ein entschlossener Gegner des britischen Empires, was er in verschiedenen Artikeln in der norwegischen Zeitschrift Alfenposten zum Ausdruck brachte. Er ließ es sich aber auch nicht nehmen, Kritik an Hitler persönlich auszusprechen, als dieser ihn privat auf dem Berghof empfing. Schließlich endete das dunklere Kapitel über Hamsun damit, dass er 1947 wegen Landesverrats zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, welche für den Autor den finanziellen Ruin bedeutete. In der norwegischen Originalfassung wird allerdings dieses Kapitel noch detaillierter beschrieben. Dafür stellt Kolloen die Ähnlichkeit der Protagonisten seiner Werke mit der Persönlichkeit von Knut Hamsun in einer prägnanten Weise dar. Er beschreibt ihn in seiner Einleitung als „Dichter und Verführer, Schwärmer und Eroberer, Zauberer und Verräter, Gutsherr und Nervenbündel, Nobelpreisträger und Narzisst. Seinen literarischen Höhepunkt hatte Hamsun 1920, als er 1920 für sein im Jahre 1917 Werk „Segen der Erde“ den Nobelpreis erhielt. Autoren aus aller Welt wie Thomas Mann, Berthold Brecht, Ernest Hemingway, Henry Miller oder Maxim Gorki, hielten Knut Hamsun für  einen der größten Schriftsteller seiner Zeit.

Ein fast vergessener Autor wurde wiederentdeckt

Wie oben gesagt, nie was gehört und gleich die Biographie geschnappt. Obgleich das Buch bereits letztes Jahr erschienen ist, so ist es noch hochaktuell und zeigt wie sich die Sichtweise über eine Biographie sich mit der Zeit ändert und auch Tatsachen relativiert betrachtet werden, durch die Tatsache aber auch, dass die deutsche Fassung auch weitaus kürzer gefasst ist wie die Originalfassung. Als die Biographie erschien wurde es fast durchweg mit positiven Kritiken rezensiert. Es beschreibt die Geschichte einer Persönlichkeit, die nun mal nicht einfach in 50 Seiten abgefasst werden kann, da Hamsun sich vor allem durch einen hochkomplexen Geist auszeichnete und gleichzeitig in verschiedene Widersprüche verstrickt war. Für Freunde der norwegischen Literatur ist es ein Muss.

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