Ist Fußball nun Abwechslung oder Ablenkung?

Juli 22, 2013

Kein Sport ist populärer wie der Fußball. In gut zwei Wochen startet die Bundesliga und die Stadien werde gefüllt sein, wenn millionenschwere Stars dem Gegner den Ball streitig machen wollen und diesen schließlich so oft wie möglich ins gegnerische Tor schießen wollen.

Fußball ist das Ventil für viele Menschen. Das ist auch in Ordnung so. Ob die Entlohnung der Stars in Ordnung ist, das ist eine andere Debatte. Oftmals wird die Tatsache, dass der eine oder andere Star weit über zehn Millionen im Jahr verdient, mit der Tatsache gerechtfertigt, dass er nur eine bestimmte Zeit den Beruf ausüben kann.

Zehn Millionen werden die meisten Menschen in 300 Jahren nicht verdienen. Die müssen aber ihren Beruf immer länger ausüben. Und dem vermeintlichen Erfolgsdruck steht die Angst der meisten Menschen gegenüber, dass sie potentiell jeden Monat ihren Job verlieren könnten, der gerade zum Leben reicht.

Der Massensport begeistert: Wenn die Saison zu Ende geht, dann haben wir alle zwei Jahre ein internationales Turnier, wo sich die besten Fußballnationen messen. Den Rest erlegit inzwischen der Frauenfußball. Toll!

Verdienen tun neben den Spielern nur eine begrenzte Anzahl an Personen. Und das auch nicht zu knapp. Egal wie schlecht es der Wirtschaft auch geht, aber für Fußball ist immer Kohle da. Und die zahlen werden nicht kleiner. Im Gegenteil: Der Markt wächst und wächst und denkt nicht daran zu fallen. Seit Jahrzehnten ist das so. Franz Beckenbauer wäre mit seinem Gehalt aus seiner Zeit als Spieler heute ein armer Schlucker. So mancher Spieler in unteren Klassen dürfte heute mindestens genauso viel, wenn nicht sogar einiges mehr verdienen. 

Die Transfersummen braucht man nun nicht weiter zu kommentieren. Die steigen auch. Irgendwann wird es auch den ersten Transfer von über einer Milliarde geben. Eine Milliarde für einen Spieler ist eine Menge Holz. Oder nicht?

So viel wie nun Schalke, Bayern, Hertha, St. Pauli oder Dortmund dem Einzelnen auch geben mag, der ist Fußball ist auch nicht unentbehrlich. Oder doch? Oftmals sind die Leitmedien mehr auf den Fußball fokussiert als auf wichtigere Themen. Was nun wichtiger oder unwichtiger ist, das ist nun Geschmackssache. Aber manche Vorgänge und Prozesse in Deutschland und der Welt haben mehr Auswirkungen auf das Leben als der Fußball. 

Der Sport an sich ist ja nicht schädlich. Ok wenn man selbst spielt kann man sich verletzen und fällt an einer anderen Stelle möglicherweise aus. Aber es wird weitaus mehr Fußball geschaut als selbst gespielt. Bald werden wohl auch mehr Koch-Sendungen gesehen, als selber gekocht. Danke Privatfernsehen.

Jeder darf das schauen, was er will. Gar keine Frage. Aber wird es nicht langsam ein bisschen viel. Sind die Summen die das öffentlich-rechtliche Fernsehen für Live-Übertragungen zahlt nicht etwas hochgegriffen. Wird der ganze Aufwand nicht zu teuer? Solange die Werbung Geld in die Sender und Zeitschriften spült niemals.

Nach dem Sommermärchen 2006 kam schnell ein böses Erwachen. Die Wirtschafts- und Finanzkrise suchte uns heim und ein Ende ist immer noch nicht so wirklich in Sicht. Oder hatten Griechenland und Spanien schon vor der WM in Deutschland ihre Probleme? Man hörte zumindest nichts davon. Im Jahr 2010 war zumindest Griechenland in aller Munde. Da fingt die Euro-Krise langsam an.

Aber nun ist der Fußball auch nicht daran Schuld, dass die Medien bestimmte Dinge nicht bringen. Nicht alle Medien bringen Fußball. Manche bringen alles außer Sport und Boulevard. Insoweit lassen sich viele auch Ablenken und wollen auch nichts anderes hören, als die Ergebnisse von EM und WM. Im Informationszeitalter ist Ignoranz auch eine Wahl.

Wer sich ablenken lässt ist selbst schuld. Wenn man sich nur einseitig  informiert und auch nicht über vermeintlich weltbewegendere Themen informiert werden will, dann ist das sein gutes Recht. Wer meint nur das runde Leder ist wichtig, dann ist das seine Meinung. Wer sich ablenken lässt, ist oft selber schuld. Keiner zwingt uns den Bayern durch Deutschland hinterher zu reisen. Keiner befiehlt uns eine überteuerte Karte zu kaufen. Keiner sagt, wir müssen Fußball mit tausend Menschen unter freiem Himmel schauen. Presse- und Informationsfreiheit gelten für alle.

Man sollte sich einfach nicht nur einseitig informieren. Wenn Fußball in aller Munde ist, dann sollte auch mal geschaut werden, was sonst noch so passiert. Auch wenn die Fanmeilen voll sind, dann bedeutet das noch lange nicht, dass die Welt sich nicht mehr weiter dreht.

 

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